| Plesiosaurier - das Portrait |
Plesiosaurier - Vorfahren und Entwicklung
An
den Klippen und Stränden des Tethysmeeres im Erdzeitalter des Mesozoikum
lebten eidechsenähnliche Lebewesen, die durch einen langen Hals und sehr
lange mit hervorstehenden Eckzähnen ausgestattete Kiefer exzellent zum Fischfang
ausgerüstet waren. Die Füße mit Schwimmhäuten und den Schwanz
mit einer Flosse versehen waren die Nothosaurier, die frühen Vorfahren der
Plesiosaurier, bestens zur Jagd im Wasser geeignet.
Die Nothosaurier waren
kaum 1 Meter lang, einige Arten brachten es gar auf 3 Meter und etwas darüber.
Diese weitverbreitete Tiergruppe kam von Südeuropa und Nordafrika bis in
die Gegend des heutigen China vor.
Aus
ihnen entwickelten sich die Plesiosaurier. Dabei wurden die Köpfe schmäler,
die Hälse länger und dünner, die Körper aber breiter und flacher.
Die Beine wurden zu kräftigen Paddeln.
Aufgrund
der Skelettanatomie gehen die Paläontologen davon aus, daß sich die
Plesiosaurier direkt aus einem der wohlbekannten Nothosaurier entwickelten. Der
Name Plesiosauria - Fast-Eidechsen - betont die entwicklungsgeschichtliche Nähe
dieser meeresbewohnenden Echsen zur Ordnung Lacerta.
Plesiosaurier - Ihre Lebensweise
Die Plesiosaurier waren "Lauerjäger". Jagten sie Fische oder Tintenfische,
konnten sie mit ihrem kleinen Kopf am Ende des langen, besonders beweglichen Halses
die auseinanderstiebenden Beutetiere eines Schwarmes leicht packen. Der lange
Hals schoss dann wie ein Pfeil durch das Wasser und wurde selbst schnell schwimmenden
Beutetieren zum Verhängnis. Die vielen scharfen, konischen Zähne waren
sowohl zum Fangen von Fischen als auch zum Festhalten von Tintenfischen geeignet.
Als
die bedeutendsten meeresbewohnenden Reptilien des Mesozoikums erreichten einige
Arten der Plesiosaurier eine Länge von 14 Metern. Ihre Gliedmaßen waren
zu langen, paddelförmigen Flossen umgebaut. Die Finger und Zehen bestanden
nicht aus fünf oder weniger, sondern aus bis zu zehn Knochen. Der Körper
war gedrungen, der Schwanz nur kurz. Früher glaubte man, die Plesiosaurier
hätten ihre paddelförmigen Gliedmaßen wie Ruder verwendet. Einer
jüngeren Theorie zufolge bewegten sie sie aber wie Vogelflügel auf und
ab. Mit ihren abgerundeten Vorder- und den sich stark verjüngenden Hinterkanten
- einer Form, die mit Pinguinflügeln oder den Gliedmaßen der Meeresschildkröten
vergleichbar ist - waren die Flossen wie Tragflächen gebaut.
Die Spezialisierung
der Gliedmaßen bei den Plesiosauriern machte auch Änderungen im Schultergürtel
erforderlich, dessen Struktur innerhalb dieser Gruppe mariner Reptilien einmalig
ist. Schulterblatt und Hüftknochen bildeten je eine massive, breite Platte.
Die mächtigen Muskeln der Extremitäten hatten ihre Ansatzstellen auf
diesen Knochenplatten. Eine dichtgedrängte Reihe von Bauchrippen verband
die Knochen des Schulter- und des Beckengürtels auf der Unterseite. Dadurch
bildete der Körper eine ziemlich steife, feste Struktur, die den Paddeln
beim Schwimmen Halt bot. Ähnlich wie die knöchernen Bauchplatten der
Meeresschildkröten, so hatten auch die Bauchrippen der Plesiosaurier eine
besondere Funktion. So schützten sie vermutlich die Körperunterseite
der Weibchen, die zur Eiablage mühselig an Land kriechen mußten und
sich dabei mit ihren Schwimmpaddeln voranschoben.
![]() | Skelett des Plesiosauriers Cryptocleidus, Länge etwa 3 m, aus Brown 1981 |
Ob
die Plesiosaurier zur Eiablage wie die Meeresschildkröten an Land robbten
oder wie die Ichthyosaurier ihre Jungen im Wasser zur Welt brachten, ist nicht
geklärt.
Es gibt keine Beweise dafür, daß die Plesiosaurier
lebende Junge gebaren wie die Fischsaurier. Wahrscheinlich hoben sie wie die heutigen
Meeresschildkröten Gruben im Sand aus und legten ihre Eier hinein. Die Plesiosaurier
verhielten sich wegen ihrer langen Hälse an Land noch ungeschickter als die
Schildkröten und waren daher bei der Eiablage sehr verwundbar, ähnlich
wie ihre Jungen auf dem langen Weg vom Ort des Schlüpfens zum Meer.

Herde von Plesiosauriern - Max Wild (1911-2000)
Plesiosaurier
- Klassifikation
(Systematische
Einordnung nach Carroll 1993)
Klasse Reptilia
Unterklasse Diapsida
Infraklasse Lepidosauromorpha
Überordnung Sauropterygia
Ordnung Nothosaurus
Ordnung Plesiosauria
Überfamilie
Plesiosauroidea
Familie Plesiosauridae
Plesiosaurus guilelmiimperatoris
Plesiosaurus brachypterygius
Thaumatosaurus victor
Familie Elasmosauridae
Familie Cryptoclididae
Cryptoclidus eurymerus
Überfamilie Pliosauroidea
Familie Pliosauridae
Liopleurodon
ferox
Peloneustes philarchus
Kronosaurus
Gattungen:
40 Gattungen (nach Brown 1981)
Überfamilie
Plesiosauroidea
In der Überfamilie Plesiosauroidea werden alle relativ
langhalsigen Plesiosaurier zusammengefaßt. Ihre Entwicklungslinie trennte
sich im Unterjura von den kurzhalsigen Pliosauriern. Es ist nur schwer nachzuvollziehen,
warum diese "Robben des Dinosaurierzeitalters" in der Kreidezeit ausstarben.
Die
Plesiosauroidea besitzen einen kleinen Kopf wie die Nothosaurier und einen langen
Hals. Bei den Plesiosauroidea werden meist 2 Gruppen unterschieden. Der Hals der
etwas primitiveren Plesiosauridae enthält erst 28 Halswirbel, die fortschrittlicheren
Elasmosauridae mindestens 32, kommen aber bis auf 76 Halswirbel. Ein englischer
Naturforscher hat einen Elasmosaurus mal mit einer Schlange verglichen, die man
durch einen Schildkrötenrumpf gezogen hat.

Überfamilie
Pliosauroidea
Die Pliosaurier waren die "Killerwale" des Mesozoikums,
Giganten mit großen Schädeln und kurzen Hälsen (mit ca. 13 Wirbeln)
und stromlinienförmigen Körpern. Scheinbar hatten einige auch eine kleine
vertikale Rückenflosse. Ihre Größe variierte von 3 bis 12 oder
sogar noch mehr Metern. Bei großen Pliosauriern konnte der Kopf allein über
drei Meter lang sein. Sie verfügten über sehr starke Zähne, Kiefer
und Kiefermuskeln. Sie jagten und überwältigten Haie, große Kalmare,
Fischsaurier und andere meeresbewohnende Reptilien.
Die Pliosauroidea, die
nur aus einer Familie besteht, besitzt wesentlich größere Schädel
(bis zu 3 m) und dafür einen kürzeren Hals mit 13 Wirbeln.

Die Plesiosauriden selbst sterben schon im Jura aus, während die anderen Familien der Plesiosauriodea und die Pliosauroidea bis in die obere Kreide zu finden sind. Gegen Ende der Kreide scheinen sie bereits von dem Mosasaurier Plioplatecarpus marshi verdrängt zu werden. Im Maastrichtium, in der obersten Kreidezeit, gibt es nur noch wenige Funde, die alle aus den letzten 50 Jahren stammen.
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